Vinitaly and the City Sibari bot ein Programm, das weit über ein klassisches Weinfest hinausging. Drei Abende lang trafen sich in Süditalien im Archäologischen Park von Sibari internationale Weingüter, Sommeliers, Journalisten, Köche, Wissenschaftler und Weininteressierte aufeinander.
Vorträge | Masterclasses | Weintourismus – Eine Reise durch das authentische Kalabrien.
Die Fülle des Programms forderte Entscheidungen. Mehrere Bühnen und Themenbereiche liefen parallel. Gerade darin lag der Reiz: Man konnte zwischen fachlicher Vertiefung, persönlichen Gesprächen, regionaler Küche und in sommerlichen Festivalatmosphären verweilen.
Drei Tage Vinitaly and the City Sibari 2025
Drei Tage Chaos pur! Made in Italy, pronto
Jeder Veranstaltungstag setzte eigene Schwerpunkte. Der Freitag eröffnete den Blick auf Herkunft, Identität und neue Perspektiven für den Weinbau. Am Samstag rückten die großen Weinprofile Kalabriens und ihre geschichtlichen Wurzeln in den Mittelpunkt. Der Sonntag verband regionale Herkunft mit Zukunftsthemen wie Digitalisierung, Tourismus und künstlicher Intelligenz in der Landwirtschaft. Und am Abend war Nonstop das Festivalprogramm zu bestreiten. So geht Italien! Alles andere ist wie Cappuccino direkt nach dem Lunch.

Begegnungen vor der Bühne in Sibari.
Local Grace Rosanna, Lugrippo – Luca Grippo und Weinpilot Batin Mumcu
Freitag: Herkunft, Aufbruch und die Weine des Südens
Nach der offiziellen Eröffnung begann das Programm mit Gesprächen über Landwirtschaft, Identität und Kooperation. Ein weiterer Schwerpunkt galt der Internationalisierung und dem Weintourismus als Motor für die Entwicklung ländlicher Räume. Auch die Gründung eines neuen Konsortiums zum Schutz des historischen Greco di Bianco DOP wurde vorgestellt.
Es gab diverse Masterclasses diese führten von charakteristischen kalabrischen Weißweinen über italienische Schaumweine nach traditioneller Methode und Top-Champagner Marken bis hin zu den klassischen Herkunftsgebieten der Champagne. Besonders spannend war der Blick auf neue Interpretationen des Gaglioppo und die Entwicklung von Cirò hin zur neuen DOCG in Italien.
Damit stand bereits am ersten Abend jene Frage im Raum, die das gesamte Festival begleitete:
„Wie kann eine junge Weinregion ihre Identität bewahren und zugleich zeitgemäß sein?„


In den Gesprächsformaten ging es außerdem um Roséweine, heroischen Weinbau, Berglagen sowie die Rolle der Frauen in der kalabrischen Weinkultur. Sensorische Spiele und Blindverkostungen lockerten das Fachprogramm auf und machten Weinwissen unmittelbar erlebbar.
Samstag: Gaglioppo, Cirò und Moscato di Saracena
Der zweite Tag stellte die stilistische Vielfalt Kalabriens besonders deutlich heraus. Die Masterclasses „Iconic Calabrian Wines“ und „Vini Reggini“ widmeten sich prägenden Weinen der Region. Greco, Bivongi und die griechisch geprägte Identität des äußersten Südens waren jedoch die Stars der Nacht.
Ein weiterer Höhepunkt war eine Vertikalverkostung des Moscato di Saracena, der als Slow-Food-Presidio zu den eigenständigsten Süßweinen Kalabriens gehört. Solche Verkostungen zeigen, dass die Region nicht auf ein einzelnes Herkunftsgebiet oder eine Rebsorte reduziert werden kann. Küste, Berge, historische Anbaumethoden und lokale Sorten ergeben ein vielfältiges Mosaik.
Auch die Geschichte des Weinbaus wurde ausführlich behandelt. Vorträge beschäftigten sich mit dem kalabrischen Rebsortenerbe, der frühen Verbreitung der Weinrebe sowie den Ursprüngen des Weinbaus in Enotria und Sibari. Die archäologische Umgebung verlieh diesen Themen eine besondere Glaubwürdigkeit. Geschichte wurde nicht abstrakt vermittelt, sondern am Ort ihrer Spuren diskutiert.

Sonntag: Herkunft trifft Kalabrische Spitzenweine
Am dritten Abend führte die Reise erneut durch die Weinlandschaften des Südens. Kalabrische Spitzenweine, Weißweine aus vulkanischen, höher gelegenen und maritimen Gebieten sowie die Terre di Cosenza DOP standen auf dem Programm. Ergänzt wurden sie durch einen sensorischen Rundgang durch die Olivenölregionen Kalabriens.
Gleichzeitig richtete sich der Blick nach vorn. Das Gespräch „Campi intelligenti“ thematisierte Robotik und künstliche Intelligenz in der Landwirtschaft. Weitere Runden beschäftigten sich mit regionaler Kompetenz, Tourismus und digitalen Angeboten für die Sibaritide. Historische Themen wie die Pece Brettia und die Weinproduktion im antiken Kalabrien schlugen die Brücke zurück zur Archäologie.
Mit Gesprächen über die Verbindungen zwischen Kalabrien und Albanien erhielt das mediterrane Profil der Veranstaltung eine internationale Dimension. Wein erschien dabei als kulturelle Sprache, die Landschaften, Migration, Handel und gemeinsame Erinnerungen miteinander verbindet.
Regionale Küche mit Mozzarella und viel Olivenoel
Neben dem Wein spielt regionale Küche die tragende Rolle. Köche und Produzenten präsentierten Gerichte und Produkte aus unterschiedlichen Teilen Kalabriens. Themen wie Lieferketten, Biodiversität und die kulinarische Zukunft ländlicher Räume wurden nicht nur besprochen, sondern verkostbar gemacht.
Der Oil Bar widmete sich den Olivenölen der Region zur freien Verkostung, sensorische Analysen und ungewöhnliche Kombinationen mit Gelato, Mozzarella oder Cocktails zeigten die Bandbreite des kalabrischer Kochkunst. So entstand neben der Weinwelt ein zweiter Zugang zur Landwirtschaft und Esskultur der Region.




Fachprogramm und sommerliche Leichtigkeit
Vinitaly and the City Sibari 2025 verband fachliche Tiefe mit einem offenen Festivalcharakter. Im Social Garden trafen Produzenten und Besucher aufeinander.
Weinquiz | Blindverkostungen | Interviews | Chef Talks. Die Live-Sendungen und Konzerte auf diversen Bühnen mit DJ-Sets von Rai Radio 2 begleiteten die Abende jede Nacht.

Diese Mischung war entscheidend. Der Wein wurde zur Kulisse und noch blieb er einer kleinen Fachwelt vorbehalten. Damit erreichte das Festival unterschiedliche Zielgruppen, ohne seine inhaltliche Substanz zu verlieren.




Kalabrien als Weinreiseziel
Nach drei Tagen blieb mein Eindruck dieser Weinregion stets authentisch und direkt. Kalabrien verfügt über historische Rebsorten, diverse Landschaften, starke kulinarische Traditionen und ein kulturelles Erbe von internationaler Bedeutung. In Sibari wurden diese Elemente nicht getrennt gezeigt, sondern als zusammenhängende Erzählung. Das hat mich sehr beeindruckt. Aber für ein klassisches Weinland ist es mir in tropischen Sommernächten auf Dauer viel zu heiß. Was mir sicherlich einige gestresste Reben bestätigen können.
Genau darin liegt jedoch auch die Stärke von Vinitaly and the City: Die Veranstaltung machte mich neugierig im Hinblick auf nachhaltige Weinkultur-Aspekte. Ich empfehle Ihnen Kalabrien zu erkunden, lokale Produzenten zu besuchen und die Region mit mehr Zeit, entschleunigt zu genießen.
Weitere Informationen und Verlinkungen um tiefer in das Thema einzutauchen: Das offizielle Programm von ARSAC Calabria. Zur Serie gehören außerdem Römische Villa von Casignana – Mosaike, Wein und Geschichte und Vinitaly and the City – Sibari.






