Ergänzung zum Kakheti-Reisebericht: Über den Gombori-Pass und zum Kloster Ikalto.

Kakhetien empfängt mich mit Weinbergen, Klöstern und dem Kaukasus am Horizont. Im Osten Georgiens liegen zwischen dem Großen Kaukasus, dem Alazani-Tal und den trockeneren Landschaften am Iori ganz unterschiedliche Welten dicht beieinander. Meine Reise führt über den Gombori-Pass nach Telawi und weiter zum Kloster Ikalto. Dazwischen begegnen mir Wein, Gastfreundschaft und immer wieder eine Landschaft, die mich zum Anhalten zwingt.
Weinland zwischen Kaukasus und Steppe
Die Weinberge prägen vor allem die Becken von Alazani und Iori. Im kakhetischen Kernland liegen viele Rebflächen zwischen 400 und 700 Metern Höhe. Rkatsiteli und Mtsvane stehen für die weißen, Saperavi für die roten Weine der Region. Nicht jeder Ort sieht dabei aus wie die Postkarte vom grünen Weintal: Nördlich lockt das abgelegene Tuschetien, im Süden gehen die Landschaften in trockene Steppen über.
Im Herbst wird die Weinstraße besonders lebendig. Die Lese und die damit verbundenen Feiern rücken Weinbau und Gastfreundschaft in den Mittelpunkt. Wie früh die Trauben tatsächlich geerntet werden, hängt vom Jahr und vom Wetter ab. Für mich beginnt die Geschichte Kakhetiens schon auf der Anreise – mit dem ersten weiten Blick über die Berge.
Über den Gombori-Pass nach Telawi
Von Tiflis führt die kurvenreiche Straße über den Gombori-Pass nach Telawi. Ihr höchster Punkt liegt auf etwa 1.620 Metern. Doch Zahlen sind hier schnell Nebensache: Eine Kuhherde steht mitten auf der Straße, wenig später halten Schafe den Verkehr auf. Hinter der nächsten Kurve öffnen sich wieder Täler, Wälder und die Berge des Kaukasus.


Für meinen Fahrer ist die Überquerung in gut zweieinhalb Stunden erledigt. Für mich ist sie ein spiritueller Austausch mit der Natur. Nach zwei Weindegustationen am Vormittag erreiche ich den Pass zehn Minuten vor Sonnenuntergang – gerade rechtzeitig für Fotos und ein Video. Einen solchen Augenblick kann man schwer planen. Man muss nur rechtzeitig anhalten.
„Der Perfekte spirituelle Augenblick, im Einklang mit der Kraft der Natur. Wenn Raum, Zeit, Farbe, Licht, Klima, Boden und Luft zu einer Einheit verschmelzen!“ – Batin Mumcu
Ikalto: Weinbau und Gelehrsamkeit
Vor Sonnenaufgang bin ich bereits wach. Nach einer kurzen Yogaeinheit geht die Reise zum Kloster Ikalto, wenige Kilometer von Telawi entfernt. Zunächst frage ich mich, weshalb ein Kloster auf meinem Programm steht. Die Antwort liegt in seiner Geschichte: Im 12. Jahrhundert entstand hier eine Akademie, die Arsen Ikaltoeli prägte. Neben Theologie, Philosophie und Astronomie spielten auch Handwerk und Weinbau eine Rolle. Die Armee Schah Abbas I. zerstörte die Akademie 1616.


Heute sind die Kirchen und Ruinen der Akademie zu sehen. Eine Wein- oder Chacha-Verkostung finde ich hier nicht – dafür ein einsames Schaf beim Grasen. 😉 Auch das gehört zu meiner Weinreise: Orte, die den Blick über den nächsten Verkostungstermin hinaus öffnen.
Drei Begegnungen in Kakhetien
Am Abend bietet mir Château Mere ein Zimmer mit Blick in Richtung Kaukasus. In Tsinandali treffe ich bei Shumi auf einen Weintourismus, der mich zunächst auf Distanz hält und dann mit einem gereiften Brandy überrascht. Bei Schuchmann erlebe ich, wie Wein, Lavashi, Chacha und persönliche Gastfreundschaft an einem Ort zusammenfinden. Jede dieser Stationen erzählt ihre eigene Geschichte und verdient einen eigenen Artikel.
Mein Eindruck von Kakhetien
Kakhetien ist für mich mehr als eine bekannte Weinregion. Die Fahrt über den Pass, die Stille von Ikalto und die Begegnungen an den Weingütern zeigen, wie eng Landschaft, Geschichte und Weinkultur hier verbunden sind. Am Ende bleibt nicht eine einzige Verkostungsnotiz, sondern der Wunsch, noch einmal zurückzukehren, mit mehr Zeit für die Wege zwischen den Terminen.
Gombori-Pass ist ein Artikel von Batin Mumcu für www.weinipilot.com







