Algarve Wine Session 2026: Am 12. Oktober trafen im Hilton Vilamoura regionale Weingüter, Fachbesucher und Weinliebhaber aufeinander. Zwischen den Messeständen, zwei Masterclasses und dem Sommelier-Dinner mit Andressa Noitel von der Eviva Wine School zeigte sich, wie eng Wein und Gastronomie im Süden Portugals verbunden sind.
12. Oktober 2026 | Hilton Vilamoura | III Algarve Wine Session
Als Sommelier und Weinreisejournalist interessiert mich, wie Herkunft, Handwerk und regionale Küche zusammenhängen. Die Algarve Wine Session machte diese Verbindung greifbar: durch Gespräche mit den Winzern, die vertiefenden Verkostungen in den Masterclasses und das Dinner mit auf die Gerichte abgestimmten Weinen.

Probieren, nachfragen, ins Gespräch kommen: Begegnungen an den Ständen der Algarve Wine Session 2026.
Die Themen der Algarve Wine Session im Überblick
Weinmesse: Menschen, Kultur und die Weingüter dahinter
An den Ständen ließen sich Etiketten vergleichen und die Produzenten direkt nach Herkunft und Machart ihrer Weine fragen. Lokale und internationale Rebsorten zeigten unterschiedliche Seiten der Algarve.

Käse, Schinken, Wurst und Brot am Buffet der Algarve Wine Session sorgen für die nötige Verstärkung.
Quinta do Sol: Wein und Gastfreundschaft in Lagoa
Die Quinta do Sol verbindet in Lagoa Weinbau, Verkostungen und Übernachtungsmöglichkeiten. Am Messestand standen die Linien Voyager und Freyja im Mittelpunkt: Voyager Branco und Tinto 2025, Voyager Rosé 2024 sowie Freyja Reserva Tinto.

Voyager und Freyja: die Weinauswahl präsentiert Alice Chang von der Quinta do Sol am Messestand.
Quinta dos Capinhas: Negra Mole und Moscatel aus Porches
Die Quinta dos Capinhas in Porches verbindet Weinbau mit Besuchen und Verkostungen auf dem Gut. Geschäftsführerin des Weinguts ist Sofia Saraiva. Auf der Messe wurde unter anderem Negra Mole präsentiert. Auf dem fotografierten Flaschentisch sind außerdem ein Branco 2025, Alicante Bouschet Reserva 2024 und ein Late Harvest aus Moscatel zu sehen. Der Betrieb tauchte im Tagesprogramm erneut auf: Sein Moscatel begleitete den süßen Abschluss der ersten Masterclass.
Die Weinberge liegen rund zwei Kilometer vom Atlantik entfernt. Die Meeresnähe mildert Temperaturspitzen, bringt aber auch Feuchtigkeit mit sich, die Pilzkrankheiten begünstigen kann. Zugleich stellt Quinta dos Capinhas auf biologischen Weinbau um. Sofia Saraiva hat diesen Schritt angestoßen, um langfristig die Vitalität der Weinberge zu stärken.

Weinvorstellung am Stand der Quinta dos Capinhas mit Sofia Saraiva

Die Flaschenauswahl der Quinta dos Capinhas zeigt unterschiedliche Weinstile.
Convento do Paraíso: ein Sortiment mit unterschiedlichen Rebsorten
Convento do Paraíso ist mit der Quinta de Mata Mouros verbunden. Am Stand standen neben einem Rotwein des Jahrgangs 2018 auch Rosé, Sauvignon Blanc und Alvarinho zur Auswahl.

Convento do Paraíso präsentierte Weißweine, Rosé und Rotwein nebeneinander.
Local Hero: Negra Mole als roter Faden
Negra Mole zog sich als roter Faden durch die Messe. Die traditionelle Rebsorte prägt die Identität der Algarve, lässt sich aber je nach Erzeuger und Ausbau unterschiedlich interpretieren. Ein Beispiel aus der Messeauswahl ist Morgado da Serra de Monchique und Negra Mole von ARVARD.

Negra Mole Tinto 2025 von ARVAD aus der Algarve.
Zwei Masterclasses: regionale Küche und die Vielfalt der Negra Mole
Die beiden Masterclasses vertieften unterschiedliche Aspekte der Messe. Lúcia Ribeiro stellte die Verbindung von Wein und Küche her. Gilmar Brito widmete sich anschließend der Rebsorte Negra Mole und ihren verschiedenen Interpretationen.

Blick ins Publikum einer Masterclass der Algarve Wine Session 2026.
Weinregion Algarve: Sonne, Atlantik und vielfältige Böden
Mehr als 3.000 Sonnenstunden im Jahr sind für Urlauber ein Versprechen, für Winzer zunächst eine Arbeitsbedingung. Die in der Masterclass gezeigten Folien erklärten das Terroir der Algarve als Zusammenspiel von Klima, Landschaft und menschlicher Erfahrung. Das mediterrane Klima bringt warme, trockene Sommer; der Atlantik wirkt ausgleichend. Die Gebirgszüge im Norden, darunter die Serra de Monchique, schirmen die Region gegen nördliche Winde ab. Dabei unterscheiden sich die Standorte: Der Sotavento östlich von Faro ist wärmer, der Barlavento im Westen stärker von maritimer Frische und Feuchtigkeit geprägt.
Auch unter den Reben gibt es keinen Einheitsboden. Die Präsentation stellte Ton- und Kalkböden im Barrocal, sandige Lagen etwa bei Tavira und Schiefer an einzelnen Berghängen gegenüber. Der Barrocal ist das Hügelland zwischen Küste und Gebirge. Die unterschiedlichen Böden beeinflussen unter anderem, wie Wasser gespeichert wird und abfließt. Welche Weine daraus entstehen, hängt ebenso von Rebsorte, Lage, Lesezeitpunkt und der Arbeit im Weinberg und Keller ab.
Der Rebsortenüberblick der Masterclass gab dafür eine erste Orientierung: Negra Mole wurde mit heller Farbe, leichten Gerbstoffen und reifer roter Frucht beschrieben, Crato Branco, auch Síria genannt, mit Zitrus- und tropischen Fruchtnoten. Castelão und Trincadeira ergänzen das rote Sortiment; Arinto und Moscatel Galego wurden für Frische beziehungsweise aromatischen Ausdruck hervorgehoben. Auch die internationale Sorte Syrah gehört zum Spektrum und wurde mit Würze und schwarzem Pfeffer verbunden. Solche Profile beschreiben mögliche Stilrichtungen, keine unveränderlichen Eigenschaften jeder Flasche.
Grundlage: fotografierte Präsentationsfolien „Masterclass Alma do Algarve“. Klima, regionale Unterschiede und Bodenvielfalt abgeglichen mit IVV und Wines of Portugal.
Terraços da Fóia: Riesling aus der Serra de Monchique
Ein konkretes Beispiel für diese Vielfalt stand auf der Messe: Terraços da Fóia Riesling 2025 von Sul Composto. Der Familienbetrieb von Carlos Gracias bewirtschaftet Reben bei Burgau am Meer und in der Serra de Monchique. Für Terraços da Fóia nutzt er laut Erzeugerwebsite die Quinta de São Francisco im Gebiet der Fóia: nach Norden ausgerichtete Terrassen auf bis zu 695 Metern Höhe und Böden aus Syenit. Neben Riesling entsteht hier auch ein Tinta Roriz.
Riesling an der Algarve ist für mich eine Sensation. Dieser Wein hat frische Säure, dezente Jodnoten und mit 11 % vol. angenehm wenig Alkohol. Die Sensorik erinnert mich stark an die Saar und die Mosel. Ein toller Wein.

Terraços da Fóia Riesling 2025 von Sul Composto: Vinho Regional Algarve aus der Serra de Monchique, laut Rückenetikett mit 11 % vol.
„Alma do Algarve: Vinhos & Gastronomia“ mit Lúcia Ribeiro
Die Küchenchefin Lúcia Ribeiro von Taberna by Lúcia führte durch die kulinarische Masterclass.
Der Blick auf die Küche der Algarve führte vom Meer ins Hinterland. Fisch und Meeresfrüchte, darunter Thunfisch und Gerichte aus der Cataplana, stehen für die Küste. Im Barrocal kommen Fleisch, Wild und Wurstspezialitäten hinzu. Eier, Mandeln und Johannisbrot prägen die süße Seite der Region. Die Folien zeigten damit auch den kulinarischen Hintergrund der Weinbegleitung: Eine Region hat mehr als eine Landschaft und mehr als einen Geschmack.
Vier Kombinationen zeigten, wie Lúcia Ribeiro die Weine mit regionaler Küche verband. Die Präsentationsfolien dokumentieren die Auswahl:


Lúcia Ribeiro bei der Masterclass „Alma do Algarve: Vinhos & Gastronomia“. Die Veranstaltung verband Weinwissen mit kulinarischer Begleitung.
- Dona Niza Crato Branco, Monte do Lobo: Bao mit Garnelen, hausgemachter Sweet-Chilli-Sauce, Orangenreduktion, Ananas-Chutney und Koriandersprossen.
- Herdade Barranco do Vale Negra Mole Rosé: Thunfischtatar mit Leche de Tigre, Avocado in Blätterteig und Himbeergranité.
- Edd’s Tinto Reserva 2018 aus Syrah und Touriga Nacional: Tiborna mit Wildschwein und Paprikamayonnaise.
- Quinta dos Capinhas Moscatel Late Harvest: Mandelkuchen mit Johannisbrot-Crumble.
Am Dona Niza Crato Branco von Monte do Lobo bei Carvoeiro in Lagoa wurde die Idee konkret. Die Präsentation nannte ton- und kalkhaltige Böden, Meeresnähe sowie Ananas, Maracuja, lebhafte Säure und einen salzigen Eindruck als Merkmale des Weins. Dazu stellte Lúcia Ribeiro das Garnelen-Bao: Süße, Frucht und eine pikante Note sollten ein Gegengewicht zur Säure des Weins bilden. Diese Beschreibung gibt die Erläuterung der Masterclass wieder.

Gerichte und Weinglas während der kulinarischen Masterclass.

Edd’s Tinto Reserva 2018 und die dazu vorgestellte Speisenbegleitung auf der Präsentationsfolie.
„Negra Mole: A Casta que Conta a História do Algarve“ mit Gilmar Brito
Gilmar Brito leitete die zweite Masterclass. Fünf Negra-Mole-Weine bildeten die Grundlage, um sich mit der regionalen Rebsorte auseinanderzusetzen. Der Titel übersetzt die Idee bereits: eine Rebsorte, die die Geschichte der Algarve erzählt.

Gilmar Brito bei „Negra Mole: A Casta que Conta a História do Algarve“.
Die direkte Gegenüberstellung machte Unterschiede zwischen Erzeugern und Ausbaustilen nachvollziehbar. Für Sommeliers und Restaurantteams ist das eine hilfreiche Grundlage für die spätere Weinberatung.
Sommelier-Dinner mit Andressa Noitel / Eviva Wine School
Am Abend ging es ins Restaurant Cilantro des Hilton Vilamoura. Nach dem Empfang folgte ein fünfgängiges Menü mit jeweils einem passenden Wein.

Der Restaurantbereich des Cilantro vor dem Sommelier-Dinner.

Gedeckte Tafel mit Menü und Gläsern für die Weinbegleitung.

Andressa Noitel von der Eviva Wine School beim Sommelier-Dinner.
Andressa Noitel, Gründerin der Eviva Wine School an der Algarve, begleitete den Abend als Sommelière und Wine Educator. Zu jedem Wein erläuterte sie Herkunft, Geschichte und Eigenschaften.
Das Menü und seine Weinbegleitung
Fünf Gänge, fünf Weine: Das Menü in seiner Reihenfolge, jeweils mit der passenden Weinbegleitung.

1. Gang
In Zitrusfrüchten marinierte Makrele mit Escabeche, Avocado und Granny-Smith-Sauce.
Weinbegleitung:
Vinhas de Nexe Branco Reserva 2025.

2. Gang
Ochsenschwanzkrokette mit Kimchi und Garnelenemulsion.
Weinbegleitung:
Convento do Paraíso Rosé Touriga Nacional 2025.

3. Gang
Corvina-Roulade mit Jakobsmuscheln, Muscheln und Fingerlimette.
Weinbegleitung:
Quinta do Francês Sauvignon Blanc 2024.

4. Gang
Hirschduo mit Pflaume, Süßkartoffelschaum und geräuchertem Salsify.
Weinbegleitung:
Cabrita Negra Mole Tinto 2025.

5. Gang
Schokoladenbonbon mit Kaffee und Gewürzen.
Weinbegleitung:
Quinta dos Capinhas Late Harvest 100 % Moscatel 2024.
Die fünf Weine zum Dinner

Von links nach rechts: Quinta do Francês Sauvignon Blanc 2024 (3. Gang), Convento do Paraíso Rosé Touriga Nacional 2025 (2. Gang), Vinhas de Nexe Branco Reserva 2025 (1. Gang), Cabrita Negra Mole Tinto 2025 (4. Gang) und Quinta dos Capinhas Late Harvest 100 % Moscatel 2024 (5. Gang).
Weiterlesen: Zu Besuch auf Quinta do Sol
Zur Algarve-Reise gehörten auch Besuche bei drei Weingütern. Nach der Begegnung auf der Messe führte mich einer davon zur Quinta do Sol. Dort traf ich Gründer Jan Skaaning, dessen Weg vom dänischen Dinkelanbau zum Weinbau an der Algarve führte.

Quinta do Sol: Blick über den See auf das Anwesen zwischen den Reben.
Zum vollständigen Bericht: Quinta do Sol, vom dänischen Dinkel zum Algarve-Wein.
Mein Fazit: Weinwissen wird am Tisch lebendig
Die Algarve wird als Weinregion noch immer unterschätzt, dabei haben ihre Winzer in den vergangenen Jahren konsequent an der Qualität gearbeitet und überzeugen heute auf einem bemerkenswert hohen Niveau. Zusammen mit der regionalen Küche, reichlich Sonne und einem vielseitigen touristischen Angebot sind das beste Voraussetzungen für eine große Zukunft im Weintourismus.
Meine Schlussfolgerung als WEINPILOT
Für eine Weinregion mit vielen Besuchern liegt darin eine Chance: Wer einen Wein versteht und ihn mit einer Begegnung oder einem Essen verbindet, nimmt mehr mit als den Namen auf dem Etikett. Genau diese Verbindung machte den Tag für mich interessant.

Sara Silva (Mitte), Präsidentin der Comissão Vitivinícola do Algarve, und André Gomes (rechts), Präsident des Turismo do Algarve, bei der Algarve Wine Session 2026.
Hinter der Algarve Wine Session steht die Comissão Vitivinícola do Algarve (CVA) unter ihrer Präsidentin Sara Silva. Die regionale Weinkommission organisiert das Treffen für Erzeuger, Gastronomie, Handel und Presse. Mit André Gomes, Präsident des Turismo do Algarve, war auch der regionale Tourismus vertreten.
Weitere Hintergründe: WEINPILOT-Bericht zur Pressekonferenz.
Weitere Informationen: Offizielles Programm der Algarve Wine Session · Eviva Wine School
Text und Fotos: Batin Mumcu | WEINPILOT.
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